KARL BALLMER, BRUDER KLAUS UND DIE SCHWEIZ



600 JAHRE BRUDER KLAUS IM GEISTE

Karl Ballmer ist einer der ganz Wenigen, der den anthroposophischen Geistes-Weg konsequent und ohne falsche Rücksichten – das heisst: einsam – gegangen ist. Als er 1938 von seinem langjährigen Aufenthalt in Hamburg in die Schweiz zurückkehrte, war dies, wie Karen Swassjan schreibt: «...eine freiwillige Verbannung in die Heimat unter dem Zeichen der kompletten Inkompatibilität. Für die anthroposophische Schweiz war Ballmer ein Fremdkörper und Miesmacher; für die übrige ein Niemand schlechthin. Mangels des Kontakts mit dem Land blieb ihm nichts übrig, als die Bekanntschaft des Landesvaters zu machen, dem er 1942 im Geiste begegnet war. Da inzwischen auch dem Schutzherrn und Bruder Klaus in der Schweiz zuteilwurde, ein Niemand (verziert als Reliquie oder Relikt) zu werden, konnten sich die beiden bestens unterhalten und miteinander verständigen.»(1)
Ein Beweis dafür, dass die offizielle Schweiz auch heute mit Bruder Klaus nichts anzufangen weiss, ist das Ignorieren seines 6oo jährigen Geburtstags. Nur wenige, vor allem aus dem konservativen Lager, bemühen sich um eine Würdigung. Alles orientiert sich jedoch am Gewesenen, an den Relikten eben. Karl Ballmer ist hier DIE Ausnahme: seine Begegnungen mit Bruder Klaus finden 1942 statt, in der Gegenwart der beiden sich begegnenden Brüder im Geiste.
Insofern sind diese Begegnungen ein ganz besonderes Kapitel im Geistesleben des 20. Jahrhunderts, und dies – wie zu sehen sein wird, nicht nur in, sondern auch FÜR die Schweiz. Wir freuen uns, künftig einige dieser unsterblichen, wahrhaft geistreichen und insofern auch schöpferischen Begegnungen an unsere Leserschaft weitergeben zu können.   I.K.

(1) Karen Swassjan: Geträumt oder gewollt. 12 Skizzen über die Schweiz. Verlag für Anthroposophie, Dornach 2014, S. 163 f. 



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