NOVEMBER-AUSGABE


KARL BALLMER UND BRUDER KLAUS
Die starken Worte «Ihr sollt dem Herrn zur Offenbarung verhelfen!», entnommen der vierten Begegnung, sind ein bedeutsamer Auftakt für die Einführung zu den acht «Begegnungen mit Bruder Klaus», die Ballmer im Jahr 1942 verfasste. Martin Cuno, Herausgeber der Schriften Karl Ballmers, beleuchtet unter diesem Motto den Kontext, in welchem sie besser verstanden und in ihrer Tiefe wahrgenommen werden können. Die dritte Begegnung schliesslich zeigt uns, dass auch im Geist gelacht werden kann, und wir erfahren von der Rolle des Irdischen bei den letztentscheidenden Dingen in einer unerwarteten Klarheit und Konkretheit.Vom Erdenmut ist die Rede, den man auch sogleich bei der vierten Begegnung braucht, welche Ballmer mit den Worten ausleitet: «Erschüttert nahm ich von dem Seligen Abschied». 

KAREN SWASSJAN: ANTHROPOSOPHIE IN DER ZEIT DER DREI ABGRÜNDE
Ein düsteres Thema ist mit diesem Titel verheissen. Die Abgründe entpuppen sich aber alles andere als so, wie es sich vielleicht aus Mythologie und Kunst erwarten liesse. Die Zeit der Gleichnisse ist vorbei. Nicht von Drachen und Dämonen ist die Rede, sondern von realen Begebenheiten, die täglich unser Bewusstsein streifen und vor denen wir nur allzugern die Augen verschliessen. Die Abgründe tun sich auf, sobald wir die Augen öffnen für das, was um uns herum eigentlich vorgeht. Sind wir abgestumpften «Realisten» oder zähen «Idealisten» auch wirklichkeitsfest? Ein Test von Karen Swassjan.

ARNOLD SANDHAUS: IST ES ZU VERSTEHEN, DASS MAN NICHT VERSTEHEN WILL?
Ist es verstehbar, dass man nicht verstehen will? Arnold Sandhaus entdeckt bei Peter Selg ein gespaltenes Verhältnis zu Rudolf Steiner. Selg, der keine andere Beschäftigung als die mit der Anthroposophie (= einer zum Rang des Absoluten erhobenen Erkenntnis) haben zu wollen scheint, versieht sie nichtsdestotrotz mit schwarzen Löchern der Unerkenntnis, indem er Themen, die für Steiner von einer epochalen Bedeutung sind (siehe z.B. die Broschüre von 1915 «Gedanken während des Krieges. Für Deutsche und solche, die nicht glauben, sie hassen zu müssen» GA 24), geradeheraus im Anti-Steinerschen Sinn kredenzt. Eine Verstehhilfe.

GASTON PFISTER: OHNMACHT UND DIE QUELLEN DER MORAL
Eine Tour d’horizon zu Moral, Sittlichkeit, Recht und Gerechtigkeit und über deren Ursprünge und gesellschaftliche Besonderheiten im Wandel der Zeit. Keiner möche bestreiten, dass es heutzutage um die «klassische» Moral schlecht steht. Es gibt Versuche mit untauglichen Mitteln, sie nennen sich Ethik. Aber wo sind die Quellen für eine zeitgemässe Moralität zu finden? 

RUDOLF STEINER: MENSCHLICHES BEWUSSTSEIN UND ZERSTÖRUNGSKRÄFTE IN DER NATUR
Dieser Ausschnitt aus einem Vortrag Rudolf Steiners zeigt, inwiefern es keine bloss private Angelegenheit ist, ob jemand Gelegenheit findet, sein Bewusstsein durch spirituelle Impulse zu erwecken oder nicht. Steiner appelliert mit eindringlichen Worten an die Wachheit seiner Zuhörer. Es ist während dem ersten Weltkrieg, dass er dies ausspricht: «Entweder der Geist wird begriffen, oder das Chaos bleibt». 

RUDOLF STEINER: DER EGOISMUS IN DER PHILOSOPHIE
In diesem bedeutsamen Aufsatz Steiners, der sozusagen beiläufig einen kurzen philosophiegeschichtlichen Abriss gibt, der sich auf die Zeit nach dem deutschen Idealismus hin zuspitzt, werden die Philosophen zu Repräsentanten von Gedankenrichtungen, -gängen und -arten. Der urphänomenale Gang durch die bald 3000-jährige Entwicklung von Verstand und Bewusstsein der Menschheit von den alten Griechen bis heute schafft Voraussetzungen, die unerlässlich sind, um Rudolf Steiner verstehen zu lernen. Im diesem zweiten Teil werden Platon und Aristoteles, die Epikureer, Stoiker und Skeptiker besprochen. 



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