WELTANSCHAUUNGEN I.

Eine Weltanschauung ist für die einen eine Frage der menschlichen Würde, andere schrecken davor zurück, weil sie es für etwas Religiöses oder Fundamentalistisches halten. Tatsache ist aber, dass der Mensch nach einer einheitlichen Auffassung der Welt strebt. Heute ist der Materialismus die vorherrschende Weltanschauung. Die meisten Menschen übernehmen sie, ohne sich dessen bewusst zu sein. Sie leben als Materialisten, weil ihre Umgebung so ist. Eine andere, eigene Weltanschauung zu finden ist den meisten zu beschwerlich, selbst wenn der Materialismus dem eigenen Wesen widerspricht. Weil die Menschen verschieden sind, und sie sich erst selber finden können in ihrer eigentümlichen Art und Konstellation, wie sie die Welt anschauen, ist es interessant, sich mit den möglichen Weltanschauungen zu befassen. Auf diese Weise rückt das Menschliche am Menschen, das was seine Würde begründet, seine Seelenhaltung und Gedankenart, ins Bewusstsein. Rudolf Steiner beschreibt den Kosmos anhand von 12 beziehungsweise 13 Weltanschauungen, und zeigt auf, was sie sind, wodurch sie sich unterscheiden, was für Ausprägungen sie annehmen können. Er fügt Repräsentanten an, die sie vertreten. Zum Beispiel wird die Gedankenart von Hegel, Schopenhauer, Nietzsche und anderen beschrieben. 1)
Die Frage nach der Bedeutung von «Transzendentes zur Zeitlage» kann als ein Auftakt zu einer ausgedehnteren Beschäftigung mit Weltanschauungen gesehen werden. In der Ausgabe vom Januar 2017 wird zunächst einmal begründet, inwiefern es sich in der AGORA um etwas anderes als die dominierende un- oder halbbewusst-materialistische Weltsicht handelt.

1) Vier Vorträge, Berlin, 20.-23. Januar 1914: Der menschliche und der kosmische Gedanke (GA 151), Rudolf Steiner Verlag, Dornach,1990



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